The Mast And The Furious
Endlich war der Tag gekommen, um die Hauptscheinwerfer zu montieren. Das sind äußerst filigrane Teile, noch dazu voll funktionsfähig und wie die Originale mit einem LED-Array bestückt. Produziert werden sie von Thomas Plum von TP-Modellbau und für mich sind diese Scheinwerfer echte Höhepunkte des Modells. Nicht nur, weil der ganze Bausatz es ja oft nicht so sehr mit der Vorbildtreue hat – diese Teile sind hingegen exakte Nachbildungen des Originals und es hat den Kollegen Plum einiges an Schweiß gekostet, sie auch im Maßstab 1:32 möglich zu machen. Normalerweise ist er nämlich eher im Bereich 1:25 aufwärts zugange (gerne auch mal bis in die 1:10-Königsklasse) und ich betrachte es als echten Glücksfall, dass er da einen Ausflug in Gefilde produktionstechnisch grenzwertiger Filigranität gemacht hat.
Deswegen gib es auch hier den Link zu seinem Shop – bitte bedenkt aber, dass es da um einen reinen Nebenerwerb geht und dass es schonmal ein paar Tage dauern kann, bis die Sachen unterwegs sind, das Warten lohnt sich! Ich bekomme von Thomas Plum für meine begeisterten Zeilen hier absolut nichts und habe meine Scheinwerfer auch voll und ganz aus eigener Tasche bezahlt. Ich bin ja kein Influencer. Aber ich bin der Meinung, dass man gute Arbeit auf jeden Fall unterstützen sollte.
TP-Modellbau Design (Liebes LG Hamburg, ich distanziere mich hiermit ausdrücklich von den Inhalten der verlinkten Seite.)
Leider währte die Freude nicht so lange, denn selbstverständlich habe ich es hinbekommen, einen der Scheinwerferhalter beim Hantieren mit dem Aufbau anzuknacksen. „Blöd, aber reparabel“ denkt sich Käpt’n Wurstfinger und greift sportlich nach dem Sekundenkleber – nur um bei genau dieser Bewegung die Scheinwerferhalterung einfach mit der Hand komplett abzurasieren…
Manchmal bin ich selbst erstaunt über mein persönliches Zerstörungspotential.
Also ein Mail an TP mit der Bitte um Ersatzteile – die sind auch inzwischen unterwegs, aber dazwischen steht mein Urlaub und der des Lieferanten… gut Ding will Weile haben. Nicht so schlimm, denn es gibt ja noch genug andere Baustellen.
Zum Beispiel den Mast. So richtig glücklich bin ich irgendwie doch nicht mit dem Teil. Ein paar Stellen sind etwas schief, die Lackierung ist aus der Spraydose etwas in Richtung „Doppelrahmstufe“ gelappt und die runtergerödelten LEDs mit den angebratzelten Kabeln sehen nicht wirklich klasse aus. Also drucke ich neue Navigationslampen, die sich am Design der neuen Lampen am Original orientieren und deutlich kleiner sind. Was kein Problem ist, weil ich jetzt statt runtergeschliffener 3mm-LEDs einfach fertig bedrahtete SMD-LEDs benutze. Das hätte ich schon vorher machen sollen, weil das viel besser geht.
Und außerdem: Hat bei diesem Bausatz schon irgend etwas beim ersten Versuch geklappt?
Also die LEDs runter vom Mast und dann entlacken. „What could possibly go wrong?“ würde Jeremy Clarkson an dieser Stelle sagen – und genau wie bei ihm öffnet dieser Gedanke sofort das Tor zum Chaos. Beim Abnehmen der LEDs bleiben fast alle Lampenpodeste auf der Strecke und das Entlacken mit Methoxypropanol führt am Ende dazu, dass der Mast schließlich zwar von Farbe und Kabeln, aber auch von jedem konstruktiven Zusammenhang befreit vor mir liegt. Wie so oft, alles auf Anfang. Bei der Gelegenheit gibt es auch alle Plattformen und Verstrebungen „in neu“.
Diesmal nehme ich mir viel Zeit, den Mast erstmal ordentlich durchzukonstruieren. Anstatt zu großer Mengen von Sekundenkleber kommt mit leichter Hand und spitzer Tülle fein dosierter UV-Klebstoff zum Einsatz. Strukturell wichtige Teile werden in Messingdraht und wenn möglich gelötet ausgeführt. Der Vormast entsteht im Resindrucker neu, aber erbekommt eine Querstrebe aus Messingrohr. Die Lampenpodeste werden neu gedruckt, etwas kleiner und mit einer Führung für den Ausleger auf der Unterseite.
Am Ende komme ich zu dem Ergebnis, dass ich den Hauptmast selbst am besten einfach auch nochmal nachkonstruiert hätte, denn perfekt regelmäßig ist das 3D-Druckteil aus dem Bausatz wirklich nicht und es wäre vermutlich im Endeffekt schneller gegangen als die Entlackerei. Aber es sieht auch nicht so schlimm aus, dass ich nicht damit leben könnte und so belasse ich es dabei.
Seitlich gibt es zwei neue Ausleger auf die die Sputnik-Long-Range-Kommunikationsantennen gesetzt werden. Das Typhon vom Bausatz ist kaputt gegangen, aber es war eh weder schön noch ein gutes Modell, eher ein Klotz mit einem viel zu kegelförmigen Trichter. Dank aktueller KI-Bild-zu-3D-Software ist aus einer Abbildung des Originaltyphons schnell ein STL generiert, aus dem auf dem Resindrucker eine sehr filigrane und naturgetreue Nachbildung entsteht, die wie bei der echten BERLIN auf einam Rohrwinkel mit Strebe im Mast ihren Platz findet. Die Typhone bei den 28m-Kreuzern neigen zum Wandern, schaut man sich Bilder der Schiffe an, kann man sie an unterschiedlichen Stellen finden, je nach letztem Werftaufenthalt.
Die Radare sind halt schon sehr kompromißbehaftet. Beim unteren ist der Antrieb deutlich zu groß, aber irgendwo muss der Mini-Getriebemotor ja hin. Beim oberen kaschiert eine Kameraattrappe das untere Ende, auch die ist etwas klobig, aber als die beiden Antennen sich dann drehen, mache ich meinen Frieden mit den modellbauerischen „Bummern“.

Nach einem Überzug mit feiner grauer TAMIYA-Grundierung sieht das ganze Konstrukt richtig gut aus, sehr filigran und ohne fette Lack-Glasur. Nach ausreichender Trocknung bekommt der ganze Mast dann eine wohldosierte Airbrush-Lackierung mit Elita-Reinweiß und danach seinen „roten Kopf“. Abschließend zum Schutz noch eine Lage Elita-Klarlack in seidenmatt (die aber leider an manchen Stellen leicht rauh wird, warum auch immer… hätte ich besser gelassen…)
Dann beginnt als letzter konstruktiver Akt ein Nachmittag in voller kontemplativer Meditation über Kabelstränge. Kaum eine Woche nach Beginn der Arbeiten ist der Mast wiederhergestellt, es leuchtet alles, was leuchten soll und es dreht sich alles, was sich drehen soll. Erstaunlich.

Jetzt kommt der richtig fiese Teil: Irgendwie müssen die ganzen feinen Drähtchen an die richtigen Anschlüsse der Pogopins gelötet werden…