Ich sehe bunte Lichter

Ich sehe bunte Lichter

So ein Seenotrettungskreuzer ist ein komplexes System, das aber dennoch unter Extrembedingungen von Menschen, die unter Stress stehen, intuitiv bedient werden muss. Keine leichte Aufgabe für die Leute in der Konstruktionsabteilung. Traditionell und bewährterweise arbeiten aber die Schiffsbauer eng mit den Besatzungen zusammen, um die Geschichte bei aller Robustheit so ergonomisch wie möglich zu bekommen.

Für den unbedarften, nicht seemännischen Beobachter sind manche Einrichtungen am Schiff erstmal undurchschaubar. An der achteren Seite des Aufbaues hängen dann auch drei Schiffsarmaturen-Lampen vom Querträger, für die der modellbauende Dummy so gar keine Erklärung hat. Eine ist weiß, das ist die ganz normale Decksbeleuchtung, abgehakt. Die anderen beiden sind gelb und blau. Eine Verwendung als Stimmungslichter für Bordfeste lässt sich sicher ausschließen. Sicher ist: Da wird etwas angezeigt – aber was?

Im Internet findet sich dazu ü-ber-haupt nichts. Es dürfte kein Problem sein, die Schlüppergröße von Dieter Bohlen in Erfahrung zu bringen, aber über die zwei Lampen am Seenotkreuzer schweigt die unermessliche Quelle des sinnlosen Wissens wie eine Muschel. Also erstmal andere Sachen vorgezogen, andere Prioritäten.

Beim Open Ship kommen dann die Lampen wieder zur Sprache, der Seemann müht sich redlich, mir – ich bin vom Kreuzerbesuch im kompletten Informations-Overkill-Modus – die Rolle der zwei Lichter darzulegen. Am Ende habe ich es nicht ganz nicht verstanden – immerhin ist bei mir angekommen, dass es um das Tochterboot geht, um die dazugehörige Hydraulik und die Heckklappe. Und dass die Lampen so eine Art Ampel sind, um die ganze Tochterboot-Geschichte beherrschbar zu machen.

Leider herrscht in meinem Hirn aber heilloses Durcheinander, was die gesamte Bombastik der Tochterboot-Aufnahme angeht: Klappe, Aufzug, Hydraulik, Ägypten, Rembrandt…???

Also schließt sich ein längerer Whatsapp-Dialog mit Robert an, der uns (auch mit Hilfe von entsprechenden Filmszenen aus Dokus) beinahe auf den richtigen Weg bringt. Aber warum eigentlich den Kopf verdrillen? Einfach die Leute fragen die es wissen müssen: Mail an die DGzRS – wofür, wobei, woher und wann braucht man das gelbe und das blaue Licht?

Nun hat die DGzRS ja wichtigere Aufgaben, als irgendwelche Modellbauhelden mit Informationen zu versorgen. Aber da man auch ein Herz für uns hat, bedauerte man zwar aufrichtig, für eine direkte Hilfe nun wirklich keine freien Kapazitäten zu haben, versorgte mich aber mit möglichen Ansprechpartnern aus der Modellbauszene.

Die Kollegen von der 1:10er Fraktion nahmen sich der Sache dann auf meine Anfrage hin auch an. Ich habe nichts als Ehrfurcht vor diesen Leuten, die die DGzRS-Einheiten tatsächlich in nahezu Ruderbootgröße nachbauen, alles in Handarbeit, absolut grandios. Und weil die Welt ein absolutes Kuhkaff ist, kommt der entscheidende Tipp dann sogar von einem Modellbaukollegen, der gleichzeitig Besatzungsmitglied eines Seenotkreuzers ist – der BERLIN… Kannste dir nicht ausdenken.

Also hier die Erklärung des Lampenladens: Die gelbe Lampe zeigt blinkend an, wenn die Verzurrungshydraulik für das Tochterboot arbeitet, also öffnet oder schließt. Die blaue Lampe sagt: Hecktor komplett offen, TB absetzen oder aufnehmen ist möglich. Eigentlich ganz logisch, klar und auch unter widrigen Bedingungen überschaubar. Wie auch sonst?

Was folgenden Ablauf bedeutet:

TB an Bord, Hecktor geht auf, gelb blinkt, weil die Verzurrung sich öffnet. Wenn blau leuchtet, kann das TB ausgeklinkt werden und rutscht in den Teich.

Umgekehrt ist die Voraussetzung für die Wiederaufnahme dass blau leuchtet (Klappe ganz offen) und dann muss die STEPPKE in die Wanne. Wenn sie erfolgreich eingeklinkt ist, wird sie vom Aufzug hochgeschleppt und ganz oben verzurrt, dabei blinkt die gelbe Lampe.

Herzlichen Dank an dieser Stelle an den Kollegen von der 1:10er Truppe, der gerade auch die BERLIN – nur halt im Königsmaßstab – baut (was sonst…?) und mich kurz und knackig auf den korrekten Ablauf gebracht hat.

Zur Auslösung der Lampenfunktion im Modell kann man sich des Beiermoduls bedienen, sofern noch Anschlüsse dafür frei sind. Da sieht’s bei mir etwas mau aus, sodass ich jetzt auf eine quasi autarke Lösung zurückgegriffen habe, die zwar nicht ganz perfekt vom Timing ist, dafür aber sehr zuverlässig von der Funktion. Ein Digispark mit USB-Stecker wurde mit Hilfe von ChatGPT so programmiert, dass über zwei Reedkontakte die entsprechende Funktion ausgelöst wird. Das geht in meinem Fall recht einfach, indem man an das Linearservo einen Magnet klebt und die Reedkontakte entsprechend platziert (selbstverständlich in selbstgedruckten Haltern). Die gelbe Blinklampe muss man zeitlich ein bißchen über das Programm „tunen“ und sie wird auch im besten Fall nicht zum exakt korrekten Zeitpunkt blinken, aber hey, sie blinkt…

Wieder ein Problem gelöst, von dem ich vorher nie wusste, dass ich es habe…

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