Künstliche Beschränktheit
Ich bin ja persönlich der Meinung, dass die KI weniger das Problem ist, als die ND (Natürliche Dummheit), die sie benutzt.
Vieles am neuen KI-Boom geht mir einfach grandios auf den Sack, um es mal in exakt entsprechende Worte zu fassen. Das geht damit los, dass es wie immer mindestens zur Hälfte nur für kompletten Unsinn genutzt wird. Dann dieser nervige grafische Zuckerbäckerstil, der einen von den KI-generierten Anzeigen, Plakaten und Screens ölig angrinst. Die furchtbaren Videos, in denen eine KI-Stimme kompletten Schwachsinn zu geklautem KI-Content erzählt. Die dreisten Betrugsnummern mit KI-generierten Fakeshops, in denen von KI-generierten Avataren KI-generierter Mist verkauft wird, der die KI-generierten Eigenschaften im Werbespot in Wirklichkeit absolut nicht haben kann, die aber von den „sozialen“ Medien als völlig legitime Werbepartner eingestuft werden, weil Geld ja nicht stinkt. Die irrwitzigen Preise für Spreicher, Festplatten usw. und der noch irrwitzigere Ressourcenverbrauch der Servercluster. Und dass am Ende vermutlich mal wieder ein Mann (oder einer seiner Kumpels) noch obszöner reicher wird, der menschlich – freundlich formuliert – ein kompletter Totalausfall ist… nur um mal die wichtigsten Aspekte zu nennen.
Aber KI kann ja auch hilfreich sein. Arduino-Programme schreibt ChatGPT zum Beispiel inzwischen mühelos. Man umreißt möglichst kurz, knapp und exakt was man gerne hätte und auf welchem Board es laufen soll, wenige Minuten später hat man schlanken, sauber laufenden Code. Das ist schon beeindruckend und kommt so einem Programmier-Legastheniker wie mir mehr als entgegen.
Also dachte ich mir: „Warum nicht den Bleckkumpel fragen?“ als ich auf das Problem stieß, dass sich der Ablauf des Tochterbootaufzuges nicht so recht mit dem Beiermodul darstellen ließ. Ich gab also vor: Ruheposition, zum Ausklinken (Schalterposition 1 an der Funke) kurz hoch an den Anschlagkeil, dann hinter dem ablaufenden TB her in die untere Ruheposition. Legt man den Schalter an der Fernsteuerung auf die zweite Raste, soll der Aufzugsschlitten dann an den unteren Anschlag fahren zur Auffangposition, danach (hoffentlich mit eingeklinktem TB) wieder hoch zur Ruheposition, diesmal aber schön langsam, damit das Tochterboot nicht wieder rausflutscht.
Genau dieses langsame Hochfahren war mit dem Beiermodul nicht gut zu erreichen. Die benutzte Segelwinde ließ sich einfach nicht so weit drosseln. Mit der Fernsteuerung geht das, denn sie erlaubt eine direkte Zeiteinstellung für bestimmte Servowege, was ja deutlich einfacher ist.
Leider lassen sich solch komplexe Abläufe auf der Funke nur über LUA-Skripte darstellen. Eigentlich eine gute Sache: Man programmiert die Funktion, lädt das Skript auf die Fernsteuerung, sie kompiliert es beim nächsten Start und stellt es dann zur Verknüpfung mit Mischern und Schaltern zur Verfügung. Trotzdem „leider“, weil ich von LUA überhaupt keine Ahnung habe (und auch wenig Muße, mich momentan da reinzuarbeiten). Aber ChatGPT ist auf Anfrage sofort dabei: „Das kann ich Dir schreiben, Du musst es dann nur hochladen und fertig!“
Ja, irgendwie schon.
Leider gibt es verschiedene Versionen des Funkfernsteuerungs-Betriebssystems und die verstehen unterschiedliche „Dialekte“ von LUA. Was dazu führt, dass die ersten vier oder fünf mit großem Elan dargebrachten KI-Skripte nichtmal ein Zucken auf dem Display der Funke hervorrufen. Nach Versuch acht wird mir klar, dass der Silikonkamerad im Rechner eigentlich nur Trial and Error betreibt, wenn auch auf hohem Niveau. Und er wird nicht müde, mir immer wieder zu versichern, dass sich da seit Version 16.1 des Betriebssystems eine grundsätzliche Vorgehensweise geändert habe, er das aber natürlich berücksichtigen würde.
Und so beginnt eine Zeit des immer gleichen Ablaufes: Neuer Scriptversuch – Hochladen auf die Funke – Neustart der Funke – Geht nicht – Analyse – Neuer Scriptversuch…
Was einen erstaunlicherweise dabei wirklich irgendwann anfrisst, ist die Tatsache, dass die KI immer alles so furchtbar euphemisiert. Man würde sich irgendwann so sehr ein ehrliches „So ein Quatsch, da habe ich Mist gebaut, das geht so gar nicht“ wünschen, aber alles ist immer „ganz prima“ – ich habe das Skript auf die Fernsteuerung geladen und es hat überhaupt nicht funktioniert. Nicht mal ansatzweise. Also habe ich der KI das mitgeteilt. Antwort: „Das ist sehr gut, ein wichtiger Hinweis, dass es so nicht funktionieren kann. Daher können wir jetzt das perfekte Script erstellen, prima!“
Leider war es die nächsten bestimmt 30mal nie das perfekte Script, eher wildes Herumprogrammieren mit falschen Vorgaben. Aber bei jedem krachenden Fehlschuss wieder ein übermotiviertes „super, dass das jetzt passiert ist!“ Grundsätzlich ist es ja gut, positiv an etwas heranzugehen, aber nach einer gewissen Zeit ertrage ich so viel süße Positivität einfach nicht mehr…
Erst als die KI ihre Vorgehensweise ändert, machen wir langsam Fortschritte. Irgendwann greift sie sich ein – erprobtes – Beispielscript von der Herstellerseite der Fernsteuerung und ändert es Schritt für Schritt um, immer mit der „Versuch macht kluch“-Methode, sodass wir uns irgendwann immerhin im „drei Schritte vor, einen zurück“-Modus befinden.
Schließlich platzt der Knoten und das Ergebnis ist wirklich ein KI-generiertes, lauffähiges und sogar einfach anpassbares LUA-Script, das den gewünschten Ablauf deutlich präziser ausführt als das Beiermodul – und mit einstellbaren Laufzeiten für die Servobewegungen.
Was ich mitgenommen habe: Die Fragestellung ist die halbe Lösung. Je präziser man seine Anforderungen auf den Punkt bringt, umso besser wird das Ergebnis oder zumindest umso näher kommt man mit einem Schritt an die Lösung.
Aber anstrengend war es doch schon, irgendwie.
Und ist es normal, dass sich die KI mit den Worten „Aill bi böck!“ verabschiedet???
(Spaß. Humor ist nicht so das Ding von KI. Au weia.)