Klappe aufreißen
Die Überschrift beschreibt an sich keine bekannte Tugend der Seenotretter. Hin und wieder ist es aber doch notwendig, die eine oder andere Klappe am Schiff zu öffnen. An dieser Stelle ist das zum Beispiel die Klappe über dem im Schanzkleid am Bug eingebauten Scheinwerfer, die ihn bei Nichtgebrauch vor den Unbilden von Wind und Wetter schützt. Im Original ist das Ding sogar händisch zu bedienen, im Modell wird dafür selbstverständlich ein Servo genutzt.
Der nimmermüde Tüftelgeist meines Freundes Robert hat dann auch aus einem Lampenkörper und ein paar – auf den ersten Blick – merkwürdig geformten Messingdrahthebelchen eine sinnreiche Mechanik komponiert, denn die Klappe muss aus dem nach hinten geneigten und abgerundeten Schanzkleid erstmal nach vorne und dann nach oben schwinngen, sie beschreibt also von der Seite gesehen einen Bogen.

Nachdem ich dank hilfreicher Hinweise und einiger Fotos vom Erfinder persönlich irgendwann verstanden habe, wie man das Ganze zusammensetzt, habe ich als nächstes noch die (ebenfalls von Robert der Schanzkleidrundung elegant nachmodellierte) Klappe als Schablone genutzt, ein entsprechendes Loch ins Schanzkleid gearbeitet (gefühlt: gebohrt, gefeilt, gebissen…) und schließlich Klappe und Loch so lange fein aufeinander abgestimmt, dass ich am Ende brauchbare Spaltmaße erzielen konnte.
Jetzt wurde die ganze Bombastik von hinten eingeschoben. Der Platz könnte zum Einbau kaum weniger ideal sein, denn man kommt nur mit schlangenmenschähnlicher Fingerfertigkeit von innen an die rundum geschlossene Bugspitze. Um die Führung des Betätigungszuges und die Abdichtung der LED-Zuleitung zu erleichtern (eher: zu ermöglichen…) habe ich am Einbauplatz einen nahezu viereckigen Ausschnitt geschaffen, in den ich dann ein einigermaßen passgenaues gedrucktes Teil aus ABS mit zwei Löchern eingefügt habe: Eins fürs Kabel, eins für den Bowdenzug.
Denn im Modell herrscht ja der Luxus der Fernbetätigung. Die macht ihrem Namen aber auch alle Ehre, denn da der Bug des Modells ja so wenig Last wie nur irgendwie möglich abbekommen sollte, dient dieselbe im Heck als Gegenwirkung zur „Nasentauchwilligkeit“ des Bugs. Also kommt das Servo gaanz nach hinten unter die Feuerlöschpumpe und dahin führt ein Bowdenzug aus einem 1-mm-Stahlseil und einem Plastikröhrchen als Hülle.

Der Mechanismus selbst ist geschmeidig, aber der lange Zug und die Kinematik der Klappenöffnung arbeiten ein bißchen dagegen. mit dem „Erfolg“, dass das Servo am Endpunkt (Klappe offen) munter brummt und langsam Wärme entwickelt, während die Klappe am anderen Ende auf den letzten Millimetern nicht so recht schließen möchte. Man kann etwas mehr Druck auf den Bowden geben, aber dann geht das Brummen und Aufheizen auch da wieder los. Mist.
Die Lösung finde ich im Beiermodul. Dort definiere ich zwei kleine Funktionsabläufe an beiden Endpunkten. Beim Schließen drückt das Servo für eine Sekunde den Zug mit sanfter Gewalt gegen den Anschlag (dadurch schließt sich die Klappe komplett) und lässt dann gerade wieder so weit los, dass nur der Zug sich entspannt (und mit ihm auch das Servo), die Klappe aber fest zu bleibt. Danach: kein Geknodder vom Servo. Am anderen Funktionsende dasselbe Spiel: Erstmal ein bißchen übers Ziel und dann schöööööön lockerlassen. Das Servo findet es gut und ist ganz still. Und bleibt kühl.

Anderes Problem: Ich habe keinen freien Anschluss mehr für den Scheinwerfer am Beiermodul. Aber das ist schnell erledigt, ich habe noch einen uralten RC-Switch mit einstellbarer Schaltschwelle im Fundus, der wird parallel zum Klappenservo angeschlossen und ist auf den PCM-Bereich der Stellung „Klappe offen“ abgestimmt. Das Ding ist – obgleich noch nicht SMD – klein und leicht und funktioniert wunderbar.
Also ab jetzt: Schalter betätigt – Klappe auf – Bugscheinwerfer an (und umgekehrt). Wieder eine Baustelle abgehakt.