Positive Endzeitstimmung
Kennt Ihr das? Man hat ein Projekt, das äußerst umfangreich, kompliziert und fast schon widerborstig ist. Irgendwann kommt der Punkt, wo man kein Land mehr sieht und alles nur Kraut und Rüben zu sein scheint. Hat man den allerdings überwunden, beginnt ganz plötzlich, sich eins zum anderen zu fügen und am Ende fällt alles geradezu an seinen Platz, vorausgesetzt man kann die Geschichte konzentriert und einigermaßen strukturiert angehen.
Die Saison 2026 war die produktivste in meiner BERLIN-Baugeschichte.
Anm.: Sicher spielt da auch Eskapismus eine Rolle, weil man sich in der Kellerwerft so wunderbar ausklinken konnte aus dem extrem anstrengenden Kasperletheater mit elend gestrigen Dumpfköpfen und geistigen Kleinkindern als Hauptakteuren, als das sich die Menschheit im Jahr 2026 darstellt.
In der Tat habe ich den toten Punkt überwunden und mich nach und nach durch die Gewerke gewurschtelt. Manches davon war deutlich aufwendiger als gedacht, während einiges deutlich besser ablief als vermutet. Die Scheinwerferverstellung hat mich hart an den Rand der Verzweiflung getrieben, aber ich habe sie auch zum 5. und 6. Mal wieder neu aufgebaut und jetzt – geht sie halt. Nicht überragend geschmeidig und auch das Geräusch ist nicht schön. Aber sie funktioniert! (Und ist fest auf der „bessere Lösung finden“-Liste eingetragen.)
Was viel besser war als befürchtet: Die Verkabelung der Lampen und die Verschaltung mit dem Beiermodul. Ein paar Nachmittage, immer schön der Reihe nach, alles sauber in einer Tabelle dokumentiert, Anschluss für Anschluss, Lampe für Lampe. Auf einmal war alles so wie es sein sollte, einfach so. No sweat.
Der Bugscheinwerfer – filigrane Konstruktion und knifflige Betätigung. Zwei Stunden gute, konzentrierte Modellbauerei. Sehr befriedigend, weil es am Ende sehr solide funktioniert.
Selbst die fast drei Stunden lange Programmiersession, in der ich mit ChatGPT zusammen ein LUA-Skript für die Tochterbootfunktionen im wahrsten Sinne erarbeitet habe, war interessant. Anstrengend, aber mit Erkenntnissen: Erstens, dass KI sich auch manchmal wie ein Depp verhält. Zweitens: Dass die richtige Antwort viel mit der richtigen Frage zu tun hat. Und drittens: Dass es am Ende nicht unbedingt allein wegen der KI zu einem brauchbaren Ergebnis geführt hat.
Und dann das Highlight, an Bord des Originals wandeln zu dürfen! Auf heiligem Boden, quasi.
Ja, es war eine gute Saison.
Unterm Strich: Das Schiff ist technisch im Grunde komplett. Alle gewünschten Funktionen sind vorhanden und arbeiten wie einst angedacht. Was jetzt noch fehlt, ist im Wesentlichen Optik und Detaillierung. Die Heckaufbauten müssen drauf, die Reling fehlt noch und der Rumpf harrt noch einiger Farbe und Beschriftung. Größter Posten: Die Feuerlöschausrüstung, aber die ist im Grunde auch nur noch zusammenzubauen.
Genau das richtige Arbeitspensum für nächstes Frühjahr.
Für dieses Jahr wird die Werft also geschlossen, im März 2027 geht es dann (hoffentlich) mit einigem Schwung aus der Schlusskurve auf die Zielgerade.
